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60. Budaörser Kiritog in Bretzfeld

11.07.16 16:45
Kategorie: allgemein, Partnerstädte

Gedenken 70 Jahre Vertreibung

Am Sonntag, den 22. Mai 2016 gedachten die Budaörser Landsleute mit einem Gottesdienst in der St. Stephans-Kirche zu Bretzfeld an den 70. Jahrestag ihrer Vertreibung aus der alten, angestammten Heimat. Traditionsgemäß feierten sie auch an diesem Sonntag ihren „Kiritog“.

In der gutbesetzten Kirche zelebrierte Pfarrer Nohanowitsch den Festgottesdienst. In seiner Ansprache erwähnte er besonders, dass am 19. Januar 1946 die Vertreibung der Ungarndeutschen in Budaörs seinen Anfang nahm. Mit insgesamt 8 Transporten und den schon vorher geflohenen verlor die ehemals überwiegend dt. Großgemeinde ca. 9000 Einwohner. Das heutige Budaörs ist zu einer Stadt mit ca. 30000 Einwohner herangewachsen. Der Gedenkgottesdienst wurde musikalisch von der Heimatblaskapelle -Leitung Michael Ostfalk- sowie dem gut besetzten „Ofner Bergland-Chor“ unter der Leitung von Stephan Pfundt und Manfred Winkler an der Orgel gestaltet. Pfarrer Nohanowitsch sowie Matthias Schmidt bedankten sich am Schluss bei den Besuchern für die zahlreiche, eifrige Teilnahme, bei der Kapelle und dem Chor für die schöne musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Die Besucher honorierten dies mit dankbarem, starken Beifall.

Anschließend ging es in die Brettachtalhalle zum gemeinsamen Mittagessen, das in bewährter Weise unter der Regie von Peter Roll übernommen wurde. Schon ab 13 Uhr spielte die Heimatblaskapelle zur Unterhaltung bzw. zum Tanz auf. Kurz nach 14.00 Uhr war es soweit und der Vorsitzende des Heimatvereins, Matthias Schmidt, konnte frohgelaunt die vielen Gäste begrüßen. Darunter auch viele aus Gemeinden der Budaörser Umgebung, die immer gerne zu uns kommen und herzlich willkommen sind. Als Ehrengäste begrüßte er den Bretzfelder Bürgermeister Piott mit seiner Gattin und Altbürgermeister Herbert Sickinger mit seiner Frau Hannelore, der Fahnenmutter unserer 1. Budaörser Heimatfahne.

Theresia Mann stellte die Sonderausstellung zum Gedenktag der Vertreibung aus Budaörs vor 70 Jahren vor. Zusammen mit Jakob Posch wurde die Dokumentation, mit den vielen Bildern, Berichten, Zeitungsartikeln und Dokumenten, nach etlichen Wochen der Mühe und Arbeit, zusammengestellt und gestaltet. Die bewegte Geschichte, die die Vorfahren erlebten sei es wert sie hier darzustellen, so Theresia Mann, die in einer Wuderscher Tracht auf der Bühne steht und die Ausstellung mit ihren verschiedenen Bereichen erklärt. Vom Anfang, also von der Einwanderung der Schwaben bis hin zu der Zeit vor der Vertreibung, der Stimmungsmache der Kommunisten, den Herzkampagnen in der Presse bis letztendlich den Enteignungen und Deportationen 1946-1947. Auch ein Thema der Ausstellung sind die drei Gedenktage der Vertreibung in Budaörs – am 17., 18., und 19. Januar 2016 mit Einweihung der Gedenktafel am Bahnhof, der Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán mit Kranzniederlegung an der Gedenkstätte im alten Friedhof , seine bemerkenswerte Rede über 70 Jahre Vertreibung, in der römisch-katholischen Kirche und die Gedenkfeier im Heimatmuseum. An den Feierlichkeiten hatten auch Bürgermeister Martin Piott zusammen mit seinen Stellvertretern Dieter Wenninger, Werner Thomä und Günter Wieland sowie die beiden Ehrenbürger von Budaörs, die früheren Bürgermeister von Bretzfeld, Herbert Sickinger und Thomas Föhl, teilgenommen. Mit den ersten Treffen der Budaörser Landsleute in Rappach ging die Ausstellung weiter über die vielen Kirchweihfeste, über die erste Veranstaltung in der Bretzfelder Brettachtalhalle im Jahr 1979 bis heute. Mit vielen Fotos und Berichten waren die Treffen dargestellt bzw. dokumentiert und fanden insgesamt großes Interesse bei den Besuchern.

Mit dem Hinweis, dass vor 10 Jahren, am 60. Gedenktag der Vertreibung, Franz Hess seinen Vertreibungsbericht vorgetragen hatte, begann Jakob Posch seine Ansprache. Er erinnerte daran, dass Franz Hess, Ehrenmitglied des Heimatvereins, am 25. April in Bad Neuenahr verstorben war. Es folgte der Bericht zum Gedenken an die Vertreibung aus Budaörs, die am 19. Januar 1946 begann. Weiter berichtete Jakob Posch, dass in diesem ersten Transport, der am 19. Januar vom Bahnhof in Budaörs abfuhr, sich der heute in Ruhestand lebende, ehemalige Freiburger Erzbischoff Dr. Zollitsch befand. Als 8-jähriger Junge gelang es ihm damals sich mit seiner Mutter von Budaörs bis Wien diesem 1. Transport anzuschließen. Es war die Rettung vor der bereits verfügten Deportation zurück in das Vernichtungslager in Jugoslawien. Posch erinnerte an jene schreckliche Zeit, bei der so viele Menschen Haus und Hof, aber auch geliebte Menschen und letzten Endes ihre Heimat auf so grausige und schier unvorstellbare Weise verlassen mussten. Er erinnerte an die Menschen, vor allem die Älteren, die noch nach Jahren, immer noch an ein Zurück in die Heimat hofften, aber auch an jene, die vor Gram über die verlorene Heimat verstorben sind. Am Ende wies er darauf hin, dass, wenn es auch sicher nicht immer einfach war, wir rückblickend dankbar sein dürfen für die gelungene Integration. Und dankbar auch für die praktizierte Partnerschaft zwischen Bretzfeld und Budaörs, an der maßgeblich unser 1. Vorsitzende Matthias Schmidt, Emmerich Ritter aus Budaörs, der ehemalige Bürgermeister von Bretzfeld, Herbert Sickinger und von Budaörs, János Fehérváry, beteiligt waren und von Bürgermeister Thomas Föhl und seinem Ungarischen Kollegen Tamás Wittinghoff weitergeführt wurden und wie wir schon jetzt feststellen können, dass der neue Bürgermeister von Bretzfeld, Martin Piott, die guten Beziehungen weiter pflegen wird.

Nun wollen wir aber auch unseren Kiritog feiern, leitet Matthias Schmidt den fröhlicheren Teil des Heimatfestes ein. Zuvor wurde noch das Budaörser Heimatlied gesungen. Komponiert wurde das Stück von Silvester Herzog – der Text stammt von Dr. Franz Riedl. und unter der Leitung vom Dirigenten Michael Ostfalk wurde das Stück von der Kapelle sehr schön gespielt und aus voller Kehle von den Gästen mitgesungen. In seiner Ansprache hören wir vom Bretzfelder Bürgermeister Piott, dass er sich freut, dass „unsere schöne Gemeinde Bretzfeld“ für viele Menschen eine neue Heimat, eine kulturelle Bereicherung und ein gutes Miteinander geworden ist und so viele Freundschaften entstanden sind. Die Erinnerung an die damaligen Geschehnisse verblassen zusehends, es sei deshalb wichtig, gegen das Vergessen zu arbeiten, mahnt der Rathauschef.

Matthias Schmidt konnte nun den Aufmarsch der Trachten ankündigen und unter großem Jubel, zu den Klängen des Einzugsmarschs, folgte der feierliche Einzug der Trachten. Vorne weg, in großer Anzahl, die farbenfrohen Budaörser Trachtenpaare, für die wieder, wie in all den vergangenen Jahren, Norbert Riedl gesorgt hatte. Gefolgt von der Tanzgruppe aus Mosbach, die in der Tracht aus Karawukova auftraten. Am Ende bedankte sich Matthias Schmidt bei allen und es folgte der traditionelle Ehrentanz für die Trachtenträger die dann unter großem Beifall beim Auszug verabschiedet wurden.

Nun stand der Auftritt des Ofner Bergland-Chors auf dem Programm, der ein paar schöne heimatliche Volkslieder vortrug. Matthias Schmidt bedankte sich bei den Sängerinnen und Sängern, dem Organisten Manfred Winkler sowie dem Chorleiter und Dirigenten Stephan Pfundt und schweren Herzens hörten wir, dass der Chor aus Alters- und Krankheitsgründen seine aktive Mitwirkung einstellen wird. Damit geht eine langjährige Traditionspflege leider zu Ende. Der Heimatverein Wudersch wird sich beim Chor noch dafür mit einer besonderen Geste bedanken. Nach wie vor wird die persönliche Verbundenheit zum Heimatverein bestehen bleiben.

Am Ende des Programms kam der Auftritt der Mosbacher Tanzgruppe unter der Leitung von Maria Gräff und Rosi Kellner. Die Tanzpaare, die in ihrer Donauschwäbischen Tracht aus Karawukovar auftraten, erfreuten mit einigen beschwingten Volkstänzen die Zuschauer und wurden mit großem Beifall verabschiedet.

Mit schönen Musikstücken der Blaskapelle ging es weiter, zu denen noch fleißig das Tanzbein geschwungen wurde. Alte Erinnerungen wurden ausgetauscht, Kontakte geknüpft und so manche Geschichten gab es zu erzählen.

Text: Jakob Posch